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Mike Nicol: Cape & Crime

|   Übersee
Mike Nicol

Die Fernsehzuschauer kennen es: „Alle Personen, die auftreten, sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.“ So steht es in etwa im Abspann vieler Filme, seit Prinzessin Irina von Russland 1932 die Metro-Goldwyn-Mayer Studios verklagte, weil sie sich durch den Kostümfilm „Rasputin and the Empress“ verleumdet sah. Mike Nicol verzichtet in seinen Krimis auf diesen „Disclaimer“, obwohl sich so mancher Kapstadt-Kenner fragt, wie viel Wirklichkeit in seinen frei erfundenen Crime Stories ist. In Deutschland ist er vor allem durch seine „Fish & Vicki-Reihe“ mit den Büchern „Cops & Robbers“, „Agents of the State“ und „Sleeper“ bekannt geworden. Sein neuer Thriller „The Rabbit Hole“ heißt in Deutschland „Das Schlupfloch“.

Mike Nicol
Mike Nicol

Mike, als ich mich auf dieses Treffen vorbereitet habe, war ich sehr verwundert: Im englischsprachigen Wikipedia existierst Du nicht, in der deutschsprachigen Version dagegen wirst Du umfassend präsentiert. Es scheint so als ob Du in Deutschland bzw. Europa bekannter bist als in Deiner Heimat.

Mike Nicol: Ja, viel bekannter. Der Markt in Südafrika ist gerade für Thriller sehr klein, das Genre war hier nie so beliebt wie in anderen Ländern. Deon Meyer ist die einzige Ausnahme, er hat eine große Reputation international. Das hat dazu geführt, dass er auch in Südafrika gekauft wurde.

Du bist Journalist und Autor von Lyrik, Biografien, Sachbüchern und Romanen. Das ist eine große Bandbreite.

Mike Nicol: Journalist bin ich eigentlich lange nicht mehr. Ich bin glücklich, dass ich so viele verschiedene Dinge machen konnte. Ich habe als Journalist angefangen, hatte auch überlegt Lehrer zu werden. Ich war schon damals an Fiction interessiert, aber ich war der Meinung, ich müsse erst ein gewisses Alter erreichen, um damit anzufangen. In den 1970 er Jahren arbeitete ich für die Zeitung The Star in Johannesburg, in den 1980er Jahren habe ich für ein hochwertiges Magazin namens „Leadership“ geschrieben. Dann konnte ich 1989 meinen Roman „The Powers That Be“ und anschließend das Sachbuch „A Good-Looking Corpse: World of Drum - Jazz and Gangsters, Hope and Defiance in the Townships of South Africa“ veröffentlichen. Und ab da habe ich dann nur noch mein eigenes Ding gemacht.

Als ich „Of Cops And Robbers” gelesen habe war ich fasziniert davon, wie sich die Story aufgebaut hat, wie sie strukturiert war.

Mike Nicol: Journalismus und auch Sachbücher, das ist etwas, was man abarbeiten kann, weil die Story ja tatsächlich existiert. Man muss also keine Story, keine Handlungen und keine Charaktere kreieren. Bei Fiction ist das eben ganz anders, da sind für mich folgende Dinge wichtig: Es geht um die Story – was ist zu erzählen, es geht um die Handlung – wie wird etwas erzählt, und es geht um den Beginn und das Ende.Genauso wichtig sind die Charaktere: Die muss sich der Leser vorstellen können. Man muss beschreiben wie sie gehen, wie sie sprechen, wie sie miteinander interagieren. Man muss ihr Inneres aufzeigen: die Gedanken, die Emotionen. Wie sie sprechen und was sie sprechen.

Wer Kapstadt kennt, so wie ich, der fragt sich beim Lesen Deiner Bücher, wie viel Non-Fiction, also Wahrheit, ist in Deiner Fiction, Deiner erfundenen Geschichte? Wenn man das Sachbuch über Zumas Freunde wie „The President’s Keepers“ von Jaques Pauw liest, was ja minutiös aufgelistete Fakten sind, und Deine Thriller, dann geht es doch letztendlich um dasselbe, zum Beispiel um Korruption.

Mike Nicol: Das ist der Grund, warum ich mit Crime Fiction begonnen habe. Vorher waren meine Romane eine Art magischer Realismus. Als Südafrika dann demokratisch wurde – Mitte der 1990er Jahre – da gab es eine Zeit, in der ich ehrlich gesagt nicht so recht wusste, was ich an Sachbüchern schreiben sollte. Meine Partnerin Jill sagte damals zu mir: Warum schreibst Du nicht Kriminalromane? Zu der Zeit hatte ich schon seit meinem 16. Lebensjahr kein solches Buch mehr gelesen. Ich fand die Idee großartig, denn so konnte ich über die Politik, über die sozialen Missstände und über die Verbrechen schreiben. Der ANC entwickelte sich zu der Zeit von schlecht zu noch schlechter. Ich konnte so alles, was ich aus journalistischer Sicht empfand, in eine Novelle transferieren und „Crime“ in „Fiction“ einbauen und unterhaltsam machen.

Das erste Buch, das ich auf dieser Basis geschrieben habe, war „Payback“. Und als ich das zu meinen Verlegern brachte, wussten die nicht so recht, was sie damit anfangen sollten. Niemand hatte zuvor in Südafrika eine derartige Story veröffentlicht, zumindest nicht in englischer Sprache. Deon Meyer hatte schon zehn Jahre zuvor Kriminalromane geschrieben, aber nur in Afrikaans, nicht in Englisch. Es war also wirklich etwas komplett Neues für das englischsprachige Südafrika. Und niemand war hier dafür bereit. Südafrikaner lesen eher Michael Conolly, der in Los Angeles stattfindet, als ein Buch, das in Kapstadt spielt.

Es gibt tatsächlich eine Menge reale Gewalt in den Townships, aber gerade Leserinnen ist die Gewaltdarstellung doch manchmal etwas zu viel, wenn es wie in „Powerplay“ um Vergewaltigungen geht oder jemand die Zunge abgeschnitten wird.

Mike Nicol: Diese Handlung ist eigentlich die Handlung von Shakespeare’s „Titus Andronicus“, die ich auf Kapstadt übertragen habe. Bei Shakespeare findet genau das auch statt. Ich habe allerdings in den letzten Jahren meine Art der Gewaltdarstellung verändert, nicht weil es keine mehr gibt. In meinen neueren Büchern, etwa in „Sleeper“ und „The Rabbit Hole“ ist weniger Gewaltdarstellung, die Leute werden lediglich erschossen, das geht schnell ohne detaillierte Beschreibung. Wenn ein Charakter sterben muss, dann muss er schnell sterben.

Sprechen wir über Deutschland. Du warst schon häufig dort, 1997 und 2002 sogar jeweils für ein Jahr. Hat sich Dein Blick auf Südafrika durch diese Auslandsaufenthalte verändert? Südafrikaner denken ja immer, in Europa und vor allem in Deutschland sei immer alles besser. Spätestens das deutsche Handling der Corona-Pandemie hat ja bewiesen, das dem bei weitem nicht so ist.

Mike Nicol: Das, was meine Partnerin Jill und ich besonders an Europa mögen, ist, dass wir überall in den Straßen spazieren können ohne dass wir fürchten müssen, getötet zu werden. Das kann auch in Europa mal passieren, aber hier passiert das häufig. Hier gibt es so eine konstante Furcht. Diese Art der Freiheit in Deutschland ist für mich unbezahlbar. Und ich brauche dort auch kein Auto. Es gibt Busse und Züge, die funktionieren. Hier, wo wir wohnen, ist es wunderschön, man hat eine grandiose Aussicht, aber Du brauchst ein Auto – selbst um in den 700 Meter entfernten Laden zu fahren.

Wir haben früher in Muizenburg gewohnt, nahe zum Strand, aber nachdem wir aus Berlin zurückkamen, haben wir uns da nicht mehr wohl gefühlt. Ich habe ein Buch darüber geschrieben: „Sea-Mountain, Fire City: Living in Cape Town at the Turn of the 20th Century”. Muizenburg hat sich ab 1994 völlig verändert. Es kamen viele junge Männer aus Mittel- und Zentralafrika in die Gegend. Und mit ihnen kamen Prostitution und Drogenhandel. Eines Tages fanden wir heraus, dass direkt in unserem Nachbarhaus ein florierender Drogenhandel war. Auch bei uns klopften Leute mitten in der Nacht an die Tür, um Drogen zu kaufen. Wir fühlten uns als wir 1998 aus Berlin zurück in Muizenberg waren klaustrophobisch und wollten dann irgendwo hin mit mehr Platz.
Mein Buch „Agents of the State“ spielt zum Teil in Berlin. Was mich damals an Berlin fasziniert hat, war ein gewisse Art von Rauheit. Wenn man in einen Shop ging, waren die ersten Worte ein wenig freundliches „Was wollen Sie?“. Wir waren noch einmal 2017 dort, wollten wissen, ob bzw. wie sich die Stadt verändert hat. Meines Erachtens hat sich Berlin in den 20 Jahren extrem verändert und ist nun eine „softer City“. Es war viel einfacher für uns, zu kommunizieren. Ich bin wirklich sehr dankbar für das Jahr in Berlin, das hat dazu beigetragen, dass ich Kapstadt in einem anderen Licht sehe.

Seit einigen Jahren unterrichtest Du ja auch sehr erfolgreich „kreatives Schreiben“. Was genau unterrichtest Du?

Mike Nicol: Ich biete zwei kürzere Kurse an. In dem einen Kurs, „Writing Fiction“, unterrichte ich das Schreiben von Romanen. Der Kurs hilft allen, die als Roman-Autoren anfangen wollen. Der andere, „Writing Reality“ ist ein Sachbuch-Kurs. Viele der Leute, die dort kommen, wollen Memoiren schreiben. Diese Kurse mache ich jeweils dreimal pro Jahr. Dann habe ich noch eine längeren Kurs, „The Writers‘ Masterclass“, der läuft von Mitte Februar bis November. Da coache ich als Supervisor die Autoren, wenn sie ihren eigenen Roman oder Sachbuch schreiben. Zehn Bücher, die auf diese Weise geschrieben wurden, sind bereits veröffentlicht. Wir haben einmal im Monat ein Klassentreffen in Zoom, so kann ich Experten, also andere Autoren, dazu einladen. In diesem Jahr habe ich einen sehr großen Kurs und es ist sehr viel Vielversprechendes dabei. Ich bin sehr gespannt darauf, was am Ende dabei herauskommt.

Abschließend noch einmal zurück zu Deiner Arbeit als Autor. Wird es auch noch einmal den Journalisten, Sachbuchautor oder Lyriker Mike Nicol geben?

Mike Nicol: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Lyrik war für mich ein interessanter Start als Autor. Da habe ich viel gelernt: Rhythmus, die Relationen zwischen Wörtern und vieles mehr. Als Journalist musste ich dann kürzer und präziser schreiben. All diese Fähigkeiten konnte ich in meinen späteren Fiktion-Büchern einsetzen und verschmelzen. Ich hatte das Glück, das ich zu Beginn meiner so viele unterschiedliche Stile schreiben konnte: Roman, Sachbuch, Journalistisches, Lyrik. Mir hat es immer Spaß gemacht, wieder einmal ein Sachbuch zu schreiben, weil es einen anderen Anspruch an mich als Autor hat.

Deine Thriller erscheinen mir perfekt, um verfilmt zu werden, zumal Deine Geschichten ja in einer Stadt passieren, in der unzählige Filme jedes Jahr produziert werden. Die Locations und Ressourcen wären genügend vorhanden. Gibt es da Pläne?

Mike Nicol: Ja, eine deutsche Filmfirma hat eine Option zur Verfilmung der „Rache Trilogie“ mit „Payback“, „Killer Country“ und „Black Heart“. Aber es ist leider noch nichts konkret.

Das gesamte Interview erscheint im Oktober 2021 im Reisegenuss-Magazin.


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