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KUBA

Morbider Charme

2019 feierte Havanna seinen 500. Geburtstag. Auch bei den Feierlichkeiten zeigte das Land seine unterschiedlichen Gesichter. Herausgeputzt wurden einige Teile der Innenstadt, insbesondere das 1912 erbaute Kapitol, das gerade noch rechtzeitig zum Jubiläum aufwändig renoviert wurde. Aber nur wenige hundert Meter entfernt zeigt sich das echte, das extrem arme Kuba. Es reihen sich Ruine an Ruine. Ulrich Clef flog ins Land der Überlebenskünstler.

Havanna
Havanna

Seit dem Tod von Fidel Castro hat sich für die Kubaner nur wenig zum Positiven geändert. Die Bevölkerung ist weiterhin sehr arm, auch wenn die vom Staat kontrollierte sozialistische Planwirtschaft inzwischen Kleingewerbe und ein gewisses Unternehmertum erlaubt. Nachdem US-Präsident Obama Sanktionen abgebaut und Grenzen wieder geöffnet hatte, traf die wieder verschärfte Wirtschaftsblockade seitens der USA während des Regimes von Trump Kuba extrem. Finanzhilfen blieben aus, Einreisen aus den USA waren weder per Flugzeug noch per Schiff möglich. Dann kam die Corona-Pandemie, die über ein Jahr lang den gesamten Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle des Landes, quasi zum Erliegen brachte.

Zahlreiche Ruinen, halbverfallene Häuser, die nur teilweise bewohnbar sind, und Wohnungen ohne Fensterglas zeugen von einem Mangel an Geld – und einem Mangel an Baustoffen. Aber irgendwie schaffen es die Kubaner, jede der Krisen zu überstehen, die seit der Entdeckung der Insel durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 das Land heimsuchten.

Mit viel Einfallsreichtum werden problematische Situationen gemeistert, Kubaner sind nicht nur Lebenskünstler, sondern Überlebenskünstler. Ein Auswandern, an das viele zumindest denken, ist in der Regel nicht möglich.

HAVANNA ERLEBEN

Wer Kuba wirklich kennen lernen will, der sollte auf die Rundum-Versorgung der All-Inclusive-Hotels an den Stränden verzichten und startet sein Kuba-Erlebnis in Havanna. Die größte Attraktion ist die historische Altstadt, Habena Vieja, die von der Unesco zum Welterbe erklärt wurde und seitdem teilweise restauriert wird. Das Gewirr von Straßen, gesäumt von kolonialen, barocken und klassizistischen Gebäuden jeden nur erdenklichen Zustands lässt sich perfekt zu Fuß erkunden.

Jede Epoche seit dem 16. Jahrhundert hat ihre Spuren hinterlassen: Besonders beeindruckend die prachtvollen Paläste aus Kubas Epoche als größter Zuckerproduzent der Welt.

Sehenswert ist auch das wunderschöne Art-decó-Hochhaus Edificio Bacardi, ein Relikt aus der Zeit als die 1862 in Santiago de Cuba gegründete Destillerie Bacardi von der Insel aus mit ihrem Rum die Welt eroberte. Die noch heute im Bacardi-Logo abgebildete Fledermaus gilt auf Kuba als Glückssymbol. Das Glück von Bacardi endete 1960, als das Unternehmen gemeinsam mit knapp 400 weiteren großen Firmen im Jahr nach der kubanischen Revolution vom Staat enteignet wurde.

STADT UND STRÄNDE

Touristischer Sammelpunkt ist der imposante Platz Parque Central. Das geschäftige Treiben kann man perfekt von der Café-Terrasse des staatlichen Hotels Inglaterra beobachten. Auch das benachbarte, schön restaurierte Gran Teatro de La Habana Alicia Alonso, in dem einst Größen wie Enrico Caruso auftraten, lohnt einen Besuch.

Unübersehbare Attraktion ist das Kapitol, das 1929 eindeutig dem Weißen Haus in Washington nachempfunden wurde und ihm auch in seinen Ausmaßen kaum nachsteht. Es wurde neun Jahre lang komplett renoviert und erstrahlt seit 2019 in neuem Glanz. In der Eingangshalle verkörpert eine 17 Meter hohe vergoldete Frauenstatue aus Bronze die Republik Kuba. Im Boden ist ein in Gold gefasster Diamant zu sehen, der den Kilometer Null des – leider ziemlich desolaten – kubanischen Straßennetzes markiert. Die mächtigen Eingangstore aus Bronze sind mit Reliefs geschmückt, auf denen die gesamte Geschichte Kubas von der Eroberung 1492 durch Christoph Kolumbus bis zum Zeitpunkt der Erbauung des Kapitols dargestellt ist.

Am Parque Central warten unzählige Oldtimertaxis und einige Pferdekutschen. Hier starten die lohnenswerten Hop-on-Hop-off-Busse sowie die Busse zu den Playas del Este. Sie liegen östlich der Stadt und erstrecken sich über etwa 60 Kilometer! Ideal für einen Tagesausflug von Havanna. Hotels finden sich hier nur wenige, das Wasser ist klar,  meistens ruhig und der Sand fein.

STATUEN HULDIGEN DER GESCHICHTE

Nicht weit vom Parque Central beginnt die Calle Opispo, die heutige Fußgängerzone mit unzähligen Läden und Restaurants. Auf dem Weg dahin wird an Ernest Hemingway erinnert. Er ist wohl der einzige Amerikaner, dessen Andenken auf Kuba gerne lebendig gehalten wird. Schließlich hat er den Fischern von Cojimar, einem Ort in der Nähe von Havanna, mit seinem auf Kuba geschriebenen Roman Der alte Mann und das Meer, für den er 1959 den Literaturnobelpreis erhielt, eine Art Denkmal gesetzt. Die Geschichte handelt vom glücklosen Fischer Santiago. Als er nach 84 Tagen endlich einen riesigen Schwertfisch fängt, beginnt ein tagelanger Kampf. Doch er kann auf dem Rückweg nicht mehr als die Gräten vor den Haien verteidigen. „Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben“, lautet das Credo des Fischers, das vielleicht auch bezeichnend für die jüngere Geschichte der Insel ist. 

In Havanna erinnert eine lebensgroße Statue an Hemingway in der Bar El Floridita, bei der tagtäglich die Touristen anstehen. Hemingways Lieblingsdrink war der Daiquiri, aber der Mojito, das ist der Drink Kubas. Für die Touristen oft teuer, aber oft nicht wirklich gut. Außer man geht zum Beispiel ins La Bodeguita del Medico und drängt sich dort mit anderen Touristen. Für Einheimische sind diese Bars unerschwinglich. Egal welcher Longdrink oder Cocktail gefragt ist, weißer kubanischer Rum ist meistens drin.

Auch einem Engländer wird in Havanna gehuldigt: Fidel Castro muss wohl ein Verehrer der Beatles gewesen sein, denn der verstorbene Machthaber persönlich weihte das Kunstwerk am 20. Todestag John Lennons ein.

DIE SCHÖNSTEN PLÄTZE

Drei weitere Plätze zählen zu Havannas Hauptattraktionen: Der älteste Platz der Stadt ist der Plaza de Armas. Er wurde im 17. Jahrhundert angelegt und begeistert heute durch die zahlreichen, gut erhaltenen barocken Bauten. Im ehemaligen Palacio de los Capitanes Generales finden gelegentlich Konzerte statt. Im Innenhof steht eine Statue des Kuba-Entdeckers Christoph Kolumbus.

Der Plaza Vieja war schon im 16. Jahrhundert als Marktplatz stark frequentiert. Heute finden sich hier beeindruckende, sehr schön restaurierte Gebäude aus mehreren Jahrhunderten. Zahlreiche Cafés und Restaurants, die hin und wieder sogar über „ein bisschen“ Wifi verfügen – das ist in Havanna und erst recht im Rest des Landes keine Selbstverständlichkeit.

Die im 18. Jahrhundert erbaute Kathedrale San Cristóbal mit ihrer mächtigen Kalksteinfassade beherrscht den Plaza de la Catedral. Gleich gegenüber der imposante  frühere Palast des Grafen von Bajona, der heute das Museo de Arte Colonial beherbergt.

Hier und in den umliegenden Gassen finden sich einige gute privat geführte Restaurants. Diese haben sich überall in Kuba trotz Versorgungsengpässen entwickelt. Sie bieten meist eine kleine feine Speisenkarte und kaufen die Zutaten auf privaten Märkten ein: Frischer Fisch und Seafood – zum Beispiel Kabeljau, Calamari und Langusten. Dazu ein leckeres kubanisches Bier – falls der Brauerei der importierte Hopfen nicht gerade ausgegangen ist. Alles zu für Touristen relativ günstigen Preisen, obwohl die Restaurantbesitzer hohe Steuern zahlen müssen.

Sollte es einmal regnen, Havanna ist reich an Museen, zum Beispiel das Museo Nacional de Bellas Artes. Es zeigt im Centro Asturianas internationale Kunst von 500 v. Chr. bis zur Gegenwart. Zwei Häuserblocks weiter stellt das Museum rein kubanische Kunst aus – die interessantere Wahl, um die Kultur der Insel zu erkunden.

UNTERKÜNFTE IN KUBA

Das Angebot an Unterkünften ist extrem vielfältig. Auswechselbar wie überall auf der Welt sind die All-Inclusive-Resorts der meist spanischen Hotelkonzerne (Iberostar, Melia, Tryp etc.) an den Stränden. In Havanna selbst sind die Hotels dieser Konzerne ideal für alle, die Wert auf den aus Europa gewohntem Service legen. Eher einfach, öfters mit Mängeln in der Versorgung und mit einem eher gemütlichen Trott der Angestellten geht es bei den vom Staat geführten Hotels zu.

Es gibt einige renovierte Hotels und Villen mit reichlich Geschichte in alten Gemäuern. Zum Beispiel das Hotel Nacional de Cuba. Das Ende der 1920er Jahre mit amerikanischem Mafiageld gebaute Haus war bis zur Revolution die Herberge für Berühmtheiten wie Winston Churchill, Frank Sinatra, Clark Gable, Errol Flynn und Marlon Brando. Zusätzlich wurde dort in den 1950er Jahren ein vom legendären Mafiaboss Meyer Lanski geleitetes Kasino eröffnet. 1990 vom kubanischen Staat mit viel Aufwand renoviert, lebt die ereignisreiche Geschichte auch heute noch in den Räumen des großen 400-Zimmer-Hotels mit seinen opulenten Sälen, schmiedeeisernen Aufzügen und einem Cabaret-Theater weiter.

Urlauber, die das echte Kuba hautnah erleben wollen, wohnen bei Einheimischen. Wer ein Zimmer in einer Casa Particular bucht, der lernt die echte kubanische Kultur und Gastfreundschaft kennen. Casa Particular bedeutet, dass Familien Zimmer in ihrem privaten Haus oder ihre Wohnung komplett an Reisende vermieten. Für viele der Familien ist die Casa Particular das wichtigste wirtschaftliche Standbein. Derjenige, der eine solche familiengeführte Privatunterkunft bucht, der unterstützt die Einheimischen direkt. Wichtig: Die Betreiber müssen über eine staatliche Lizenz zur Vermietung verfügen und führen Steuern ab.

Jedes Zimmer bzw. jede Wohnung ist authentisch und liebevoll ausgestattet, besitzt auch ein eigenes Badezimmer. Wer in einer Casa Particular übernachtet, muss natürlich Abstriche beim Komfort machen. Zwar gibt es in der Regel Kühlschrank und Klimaanlage, aber wie bei vielen Häusern nicht nur in Havanna gibt es zwar Fensterläden zur Verdunklung, aber öfters kein Fensterglas.

Die familiengeführten Privatunterkünfte bieten ihren Gästen meist auch ein feines kubanisches Frühstück, manchmal auf Wunsch sogar ein extra für die Gäste gekochtes, authentisches Abendessen in der Privatunterkunft an. Und vor allem geben die Vermieter auch Insider-Infos für den Aufenthalt, kennen zuverlässige Fahrer – oder besser gesagt: Fahrer mit zuverlässigen Autos – und können auch Casa Particulares in anderen Regionen Kubas empfehlen und reservieren.

Im Internet sind inzwischen viele deutschsprachige Seiten mit Anbietern von Casa Partculares zu finden.

GRAND HOTEL MANZANA KEMPINSKI

Wer es richtig nobel mag, residiert im Grand Hotel Manzana Kempinki, dem ehemaligen Edificio Manzana de Gomez Mena. Es ist Kubas erstes echtes Fünf-Sterne-Luxushotel und liegt zentral im Herzen der Altstadt: 246 Zimmer und Suiten, sechs Restaurants und Bars, ein Spa- und Wellnessbereich „Albear by Resense“ mit 1000 Quadratmetern und teure Shops im Erdgeschoss. Viele Zimmer verfügen über hohe Decken von bis zu 6,5 Metern, ausgestattet mit zeitgenössischen Möbeln und großen französischen Türen und Fenstern. Hier werden auch höchste Erwartungen erfüllt. Die Presidential Suite kommt immerhin auf 150 Quadratmeter. Die Dachterrasse mit Restaurant, Infinity-Pool und Rundum-Blick ist im wahrsten Sinne des Wortes spektakulär. 

Mit dem Bau des ursprünglichen Gebäudes wurde 1890 begonnen, aber es dauerte 28 Jahre, bis es seine heutigen sechs Stockwerke erreicht wurden. Manzana de Gómez war die erste Einkaufspassage im europäischen Stil in Kuba und beherbergte später Regierungsbüros und sogar Schulen in den oberen Etagen.

BESTE REISEZEIT

Kuba hat eine Regen- und eine Trockenzeit. Erstere ist von Mai bis Oktober, dann fällt ein Großteil des Niederschlages. Der tropische Regen tritt kurz und intensiv auf, ist aber selten von langer Dauer. Hurrikan-Saison ist in den Monaten August, September und Oktober. Die Trockenzeit dauert von November bis April mit Durchschnittstemperaturen von 25° C. Durch die geringe Niederschlagsmenge ist die Luftfeuchtigkeit zu dieser Zeit akzeptabel.


Mehr über Kuba, insbesondere auch zu weiteren Regionen im Norden und in der Mittel der Insel sowie zahlreiche Bilder finden Sie in unserer Reportage auf 18 Seiten im Reisegenuss eMag und in der Print-Ausgabe Reisegenuss Urlaubsplanung 2022.
 

Impressionen aus Kuba

Mit einem Klick auf das jeweilige Bild vergrößert es sich. (c) Fotos: U.Clef, Pixabay und Shutterstock

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